Schutz vor Diskriminierung

Erstinformationen und weiterführende Materialien zum Thema

Medizinische Versorgung

Gesundheits-Versorgung für geflüchtete Menschen, Hilfsangebote für Geflüchtete, die körperliche oder psychische Probleme haben.

Medizinische Versorgung. Foto: Unsplash

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Inhalt:

  1. Medizinische Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
  2. Das Recht auf Notfallversorgung
  3. Medizinische Versorgung von illegalisierten Menschen.
  4. Gesundheitssystem und Gesundheitsaufklärung
  5. Verständigungshilfen für Arztbesuch, Krankenhaus und Apotheke.

Viele Informationen gibt es in verschiedenen Sprachen. Es gibt auch Materialien, die das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin einfacher machen können. Einige davon finden Sie auf dieser Seite. 

Achtung: Menschen, die aus der Ukraine geflüchtete sind, haben einen Anspruch auf reguläre Gesundheitsleistungen, sobald sie einen Antrag auf vorübergehenden Schutz gestellt und eine Fiktionsbescheinigung erhalten haben. Für andere Flüchtlinge gilt das nicht.

Alle Informationen und Hilfen zum Thema Traumatisierung sind nicht hier zu finden, sondern in einem eigenen Eintrag.

1. Medizinische Versorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

Die Gesundheitsversorgung für Menschen im Asylverfahren und für geduldeten und ausreisepflichtigen Personen ist im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt. Der Staat zahlt nur die Behandlung von neuen, akuten Krankheiten, die dringend behandelt werden müssen und bei starken Schmerzen. Manchmal hat man Krankheiten mitgebracht. Dann wird die Behandlung bezahlt, wenn sie zur Sicherung der Gesundheit unerlässlich ist (z.B. Diabetes). Besonders schutzbedürftige Personen wie z.B. schwangere, minderjährige, traumatisierte oder Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf die medizinische Versorgung, die in ihrem Zustand unbedingt nötig ist. So will es das Gesetz, aber dieses Gesetz wird unterschiedlich angewendet. 

In vielen Bundesländern bekommen Asylsuchende eine elektronische Gesundheitskarte, mit der sie direkt in eine Praxis gehen können. In anderen Bundesländern muss man vor einer Behandlung beim Sozialamt einen Behandlungsschein beantragen. Der Umfang der Behandlung, die der Staat zahlt, ist in beiden Fällen gleich.

Wenn man einen Schutzstatus erhält, wird man genauso behandelt, wie alle Kassenpatienten. Das ist auch der Fall, wenn man noch im Asylverfahren ist, aber schon 18 Monate seit dem Asylantrag vergangen sind. Aber: wer Mitwirkungspflichten nicht erfüllt, kann sanktioniert werden und auch nach den 18 Monaten nur die eingeschränkte medizinische Versorgung erhalten.

2. Das Recht auf Notfallversorgung

In Notfällen, also wenn eine ausbleibende Behandlung zu einer erhebliche Beeinträchtigung der Gesundheit oder gar zum Tod führen könnte, sind Ärzt*innen zur Behandlung verpflichtet, unabhängig davon, welchen Aufenthaltsstatus der Patient oder die Patientin hat. Die Unterlassung kann strafbar sein. Eine vorherige Beantragung und Kostenklärung beim Sozialamt ist in diesen Fälle nicht nötig. Die behandelnde Stelle (Praxis oder Krankenhaus) muss das Sozialamt unverzüglich informieren und bekommt anschließend die Kosten im Nachhinein erstattet.
 

3. Medizinische Versorgung von illegalisierten Menschen

Illegalisierte Menschen – also Menschen, die weder einen Aufenthaltstitel, noch eine Aufenthaltsgestattung noch eine Duldung haben und sich ohne Wissen der Behörden in Deutschland aufhalten, fallen auch unter das AsylblG und haben damit den gleichen Rechtsanspruch auf Leistungen wie andere Leistungsberechtigte. Das Problem ist allerdings, dass sie diese Leistungen nur in Anspruch nehmen können, wenn sie sich an das Sozialamt wenden, welches als Behörde verpflichtet ist, die Ausländerbehörde über den Aufenthalt der Person zu informieren, woraufhin diese wahrscheinlich die Person unter Androhung einer Abschiebung zur Ausreise auffordern wird. Nur in Notfällen greift die als „verlängerte Geheimnisschutz“ bekannte Regelung, wonach öffentliche Stellen wie das Sozialamt, Daten von Patient*innen die sie von Schweigepflichtigen, z.B. dem Verwaltungspersonal der Krankenhäuser, erhalten haben, grundsätzlich nicht an die Ausländerbehörde übermitteln.

Eine sichere Alternative für illegalisierte Personen sowie andere Menschen, die vom Gesundheitssystem ausgeschlossen sind, sind die Medibüros / Medinetze. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen dieser Stellen vermitteln Patient*innen an das richtige medizinische Fachpersonal bzw. an die richtigen Einrichtungen. Solche Initiativen gibt es in einigen Städten, außerdem gibt es in einigen Bundesländern so genannte Clearing-Stellen, die als erste Ansprechpartner dienen und an lokale Initiativen vermitteln können.

Eine Übersicht über die Medibüros / Medinetze in Deutschland finden Sie hier:

Karte aller Medinetze und Medibüros

Eine Übersicht über die Clearing-Stellen in Deutschland finden Sie hier:

Verzeichnis Anonyme Behandlungsscheine, Clearingstellen und Gesundheitsfonds

Eine Überblick über Behandlungsangebote für Menschen ohne Versicherungsschutz bietet die Diakonie:

Gesundheitsversorgung in der Nähe

4. Gesundheitssystem und Gesundheitsaufklärung

Auf dem Portal „Migration und Gesundheit“, das vom Bundesministeriums für Gesundheit betrieben wird, finden Sie viele Informationen rund um das Gesundheitswesen in Deutschland und Informationsmaterialien zu zahlreichen Gesundheitsthemen. Das Portal beinhaltet Informationen in vierzig verschiedenen Sprachen. Über dieses Portal informiert ein Flyer, der zum Download bereitsteht und in verschiedenen Printformaten bestellt werden kann. 

Das "Nationale Gesundheitsportal" stellt eine Funktion bereit, mit der man Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken finden und Termine über die kassenärztliche Vereinigung vereinbaren kann. Hier werden auch Teile des Gesundheitssystems und Krankheiten erklärt.  Das Portal bietet sehr viele verschiedene Informationen in fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch, Arabisch 

gesund.bund.de

Gesundheit für alle - Mehrsprachiger Wegweiser durch das deutsche Gesundheitswesen

Aus dem Inhalt: Gesetzliche und private Krankenversicherung / So funktioniert medizinische Versorgung / Was tun im Notfall? / Gesundheitsvorsorge / Pflegeversicherung / Adressen, Ansprechpartner:innen

Die Flyer stehen zum Download in 15 verschiedenen Sprachen zur Verfügung, können aber auch als Printversion bestellt werden.

→ Gesundheit für alle - Mehrsprachiger Wegweiser durch das deutsche Gesundheitswesen

Erklärfilme zur Gesundheitsversorgung

Menschen, die neu in Deutschland sind, verstehen das Gesundheits-System hier oft nicht. Die mehrsprachigen Erklär-Videos des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) führen in das Thema "Gesundheitsversorgung" ein. Damit können Sie sich vor einem Besuch in der ärztlichen Praxis mit dem Thema vertraut machen. 

Alle Filme sind in jeweils vier Sprachen verfügbar (Deutsch, Englisch, Kurdisch/Sorani und Arabisch) und richten sich gezielt auch an haupt- sowie ehrenamtliche Helfer*innen, die die filmgestützten Informationen für ihre individuellen Beratungsangebote nutzen können.

→  Zu den Filmen auf der Website des DRK

Flyer in 12 Sprachen informieren über Apothekensystem

Wie funktionieren deutsche Apotheken und wie bekommen Patienten Medikamente? Was ist der Unterschied zwischen verschreibungspflichtigen und apothekenpflichtigen Arzneimitteln? Was kosten Medikamente? Zu diesen und weiteren grundlegenden Fragen hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände fremdsprachliche Flyer veröffentlicht.

→ Flyer in 12 Sprachen informieren über Apothekensystem

Reha für Kinder und Jugendliche

Wenn Kinder sehr krank werden, dann kann es sein, dass sie später weiter Probleme haben. Auch wenn sie schon erwachsen sind. Dann kann es sein, dass sie später nicht arbeiten können. Und immer Hilfe brauchen. Damit Kinder wieder ganz gesund werden und später arbeiten können, können sie eine Reha machen. Die Deutsche Rentenversicherung hat ein Informationsblatt zum Thema Reha geschrieben. Dieses Informationsblatt gibt es auf Arabisch, Armenisch,Deutsch, Englisch, Französisch, Rumänisch, Russich, Türkisch, Ukrainisch,Vietnamesisch sowie in Leichter Sprache.

Stress? Krank? Angst? Zu viel Alkohol oder Drogen? "Help is Ok" bietet Hilfe für Flüchtlinge nicht nur in Berlin

Die Webseite enthält Erklärvideos zu den Themen Stress, psychische Probleme, Sucht und andere. Sie wendet sich vor allem an Menschen (meist Männer), denen es schwer fällt, Probleme zuzugeben und Hilfe anzunehmen. Für Flüchtlinge in Berlin gibt es außerdem viele Adressen von kostenlosen Hilfsangeboten. Die Website bietet Informationen in den Sprachen Arabisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Kurdisch, Paschto, Russisch, Türkisch, Ukrainisch, Urdu und Vietnamesisch.
→  Website von "Help is OK!"

Schwangerschaft, Sexuelle Rechte und STI (Sexually transmitted Infections)

Zum Thema Schwangerschaft gibt es außerdem einen eigenen Beitrag

Das Projekt "ZANZU - Mein Körper in Wort und Bild" des Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit hat ein Onlineportal eingerichtet. Behandelt werden die Themen: Körperwissen, Familienplanung und Schwangerschaft (inkl. Verhütung), Infektionen (HIV und andere STI), Sexualität, Beziehungen und Gefühle, Rechte und Gesetze in Deutschland. Es enthält eine gute Übersetzungsfunktion für einzelne Begriffe. Erklärende Beiträge sind in leichter Sprache und bebildert und können per Spracheinstellung oben rechts in 14 verschiedenen Sprachen dargestellt werden.

→ ZANZU - Mein Körper in Wort und Bild

Eine Arbeitshilfe des Paritätischen gibt Handlungsempfehlungen für die Praxis der Sprachmittlung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Als Leitfaden richtet sie sich direkt an Sprachmittler*innen, die in diesem Themenbereich mit geflüchteten Menschen arbeiten.

Der Paritätische, Sprachmittlung für geflüchtete Menschen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte. Praxisempfehlungen für Sprachmittler*innen (April 2023)

Die Webseite Youth for Youth des Verbandes für Interkulturelle Arbeit (VIA) stellt Informationen für Jugendliche zum Thema Sexualität, Lust und Schutz in Deutsch, Englisch, Dari, Arabisch, Ukrainisch und Russisch zur Verfügung

→ Youth 4 Youth. Jugendliche fragen – Profis antworten

 

5. Verständigungshilfen für Arztbesuch, Krankenhaus und Apotheke

→  Umfangreiches Sammlung von mehrsprachigen Ressourcen vom Verein Bild und Sprache e.V. Materialien anklicken. Hier findet man auch Verhaltensempfehlungen und Umgang mit Schädlingsbefall. Materialien in verschiedenen Formaten

→  Deutsch-Arabischer Fragebogen für die Kommunikation in der Apotheke

Die Bundes-Zahnärztekammer hat ein Heft mit Bildern zur Verstädnigung in der Zahnarztpraxis herausgegeben.

→ Piktogrammheft für die Zahnarztpraxis - Kommunikation ohne Worte

Außerdem: ZANZU - Mein Körper in Wort und Bild  (s.o.)